Unvergessliche Momente
2. Juni 2017: Bleierne Stille in der Kabine von 1860 München
In der Münchner Kabine fällt ein Satz, der eine ganze Liga umschreibt: keine 3. Liga mehr für die Löwen.
Es geschieht am 02. Juni 2017. Stille. Eine Stille so schwer, dass man sie fühlen kann. Schwer wie Blei.
Es ist so still in der Kabine des TSV 1860 München, dass die Spieler das Blut in ihren Ohren rauschen hören.
Die letzten Worte von Trainer Vitor Pereira hallen in den Köpfen der fassungslosen Mannschaft nach: „Es wird nächste Saison keine 3. Liga mehr für uns geben.“ Keine 3. Bundesliga. Abstieg.
Amateurbereich.
Hasan Ismaik lässt 1860 München fallen
Der jordanische Investor weigert sich, die Drittliga-Lizenzauflagen zu erfüllen — und stürzt die Löwen in den freien Fall.
Investor Hasan Ismaik hat sich tatsächlich geweigert, die notwendigen Zahlungen zum Drittligaerhalt zu leisten. Der Mann, der gekommen ist um die Löwen aus der (Finanz-) Krise und zu alter Größe zu führen, bedeutet an diesem Freitag im Juni den endgültigen Untergang. Niemand hat geglaubt, dass er wirklich Ernst macht.
Stille.
So laut, dass niemand sie zu durchbrechen wagt. Kein Flehen, kein Betteln, kein kraftloses Kopfschütteln kann die Entscheidung des jordanischen Investors verhindern.
Wie 1860s Untergang Paderborns Ligaerhalt wird
Sportlich war 1860 nicht abgestiegen — finanziell schon. Das Loch füllt ausgerechnet der Tabellen-18. aus Paderborn.
Taubheit breitet sich aus. Auf sie folgt Wut. Sportlich hat man die Ligazugehörigkeit nicht verloren. Wäre da nicht das Geld, das am Ende fehlt. Wären da nicht Überheblichkeit und Arroganz eines Einzelnen, die diesen Traditionsverein ins Tal der Tränen stürzt und gleichzeitig einer anderen Mannschaft den Ligaerhalt ermöglicht.
Auch in der Akte-Welt
Gleiches Kapitel · andere KlubsDramatische Wendepunkte
Baumgart und die Pressekonferenz, die nie stattfand
Wenige Stunden vor der angesetzten Abstiegs-PK kippt für Steffen Baumgart die ganze Lage — Paderborn bleibt drin.
„Des einen Freud, des anderen Leid!“, Steffen Baumgart lacht und schiebt kopfschüttelnd das Handy in die Hosentasche. Wer hätte das gedacht? Noch vor wenigen Stunden hat der neue Trainer des SC Paderborn 07 über die richtige Wortwahl für die kommende Abstiegspressekonferenz gegrübelt.
Nun muss er all die zurechtgelegten Phrasen gänzlich umformulieren: Paderborn bleibt in der Liga.
Die symbolische rote Laterne bereits ans Blau-Schwarze Clubhaus gehängt hätte der 18. Platz in der Spielzeit 2016/2017 eigentlich den Abstieg in die Regionalliga West bedeutet. Eigentlich.
Der Anruf, den Baumgart fast nicht angenommen hätte
Sechs Wochen im Amt, das Handy klingelt im Dauertakt — und Baumgart vermutet den nächsten Reporter mit der immer gleichen Abstiegsfrage.
Steffen Baumgart sitzt an diesem geschichtsträchtigen Freitag im Juni in seinem Wagen, als das Handy klingelt. In letzter Zeit klingelt es ständig. Der Verteidigungsmechanismus ist aktiviert.
„Wer ist es diesmal?
Wer will nun etwas über den dritten Abstieg im dritten Jahr erfahren? Woher haben all diese Leute überhaupt meine Handynummer?“, die immer gleichen Fragen kreisen durch seinen Kopf.
Noch keine sechs Wochen im Amt und schon läuft alles aus dem Ruder. „Wir haben seit Wochen nur gewonnen“, murmelt Baumgart zu sich selbst.
„Wo liegt überhaupt das Problem?“
Drei Siege in Serie — und trotzdem Tabelle 18
Lotte, Fortuna Köln, Preußen Münster: Unter Baumgart verliert Paderborn nicht mehr, das Erbe Emmerlings reicht trotzdem für Platz 18.
Recht hat er. Sieg gegen Lotte, Sieg gegen Fortuna Köln, Sieg gegen Preußen Münster. Vorgänger Stefan Emmerling hat die Misere des 18. Tabellenplatzes zu verantworten, nicht er. Seit seiner Ankunft in Paderborn hat die Mannschaft nicht einmal verloren. Doch warum klingelt jetzt schon wieder das blöde Telefon?
Der Schrei in der Kabine: Paderborn bleibt drittklassig
Aus 'keine 3. Liga mehr' wird 'wieder 3. Liga' — derselbe Satz, gespiegelt von München nach Paderborn.
Ein weiterer Journalist auf der Suche nach einer Schlagzeile? „Sportlich gehören wir in die Profiliga. Basta.“, sagt Baumgart zu sich selbst und geht ran.
Es ist der 02. Juni 2017, als ein Schrei die Stille in der Paderborner Kabine zerreißt.
Ein Schrei der Freude und Erleichterung. Ein Schrei so leicht wie eine Feder.
Die letzten Worte von Trainer Steffen Baumgart hallen in den Köpfen der fassungslosen Mannschaft nach: „Es wird nächste Saison wieder 3. Liga für uns geben.“ 3. Liga. Kein Abstieg.
Profibereich.
Freude breitet sich wie eine warme Welle in der Kabine aus. Ein Gesicht nach dem anderen leuchtet auf. Was unmöglich erschien, ist auf einmal Realität.
Einfach so.
Special Moments - Die Tribute von München: Wie Ismaik Paderborn den Klassenerhalt schenkt 33